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SAP’s AI Bet Meets a Cold Market: Customers Balk as Shares Slide 42% from Peak

Europas größter Softwarekonzern steht an einem Scheideweg, an dem die Kühnheit seiner Vision auf die Härte der Realität prallt. SAP will mit seiner „Autonomous Enterprise“ die Unternehmenssoftware neu erfinden – doch die Anleger reagieren mit Skepsis, und die Kunden zeigen sich widerspenstig. Die Aktie notiert aktuell bei 154,96 Euro, ein Minus von über 42 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von 267,85 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf rund 23 Prozent.

Der Auslöser für die jüngste Abwärtsbewegung war die Sapphire-Konferenz im Mai, auf der CEO Christian Klein die neue SAP Autonomous Suite vorstellte. Das Paket umfasst mehr als 50 domänenspezifische KI-Assistenten, die über 200 spezialisierte Agenten orchestrieren – von der automatisierten Lieferkette bis zum schnellen Finanzabschluss. Statt Begeisterung lösten die Ankündigungen jedoch einen Kursrutsch aus. Am Tag der Präsentation markierte die SAP-Aktie ihr 52-Wochen-Tief.

Der Grund dafür liegt weniger in der Technologie selbst als in der Strategie, mit der SAP sie vermarktet. Der Konzern stellt seine KI-Fähigkeiten zwar auch Kunden zur Verfügung, die noch auf klassischen Servern laufen. Die Bedingung: Sie müssen ihre Migration über das Programm „RISE with SAP“ starten und sich verpflichten, den Großteil ihrer Systeme in die Cloud zu verlagern. Mit dem Auslaufen des Mainstream-Supports für das alte ECC-System im Dezember 2027 wächst der Zeitdruck. SAP setzt KI als Lockmittel ein, um die Cloud-Transformation zu erzwingen.

Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt die Hürden: 61 Prozent der Kunden nennen knappe Budgets als größtes Hindernis, knapp die Hälfte kämpft mit Integrationsproblemen. Die Bereitschaft, kritische Geschäftsprozesse über Nacht einer KI zu übergeben, ist gering. SAP stellt seine KI-Umgebung bis Ende 2026 kostenlos bereit – ein Schritt, den viele als kühles Kalkül werten. Kunden bauen heute Workflows auf Basis dieser Werkzeuge auf, um später kaum noch entkommen zu können, wenn die Preise steigen.

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Die operative Basis für den Wandel ist solide. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Cloud-Umsatz währungsbereinigt um 27 Prozent. Der Auftragsbestand in der Cloud stieg auf 21,9 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Cloud-Umsatz von rund 26 Milliarden Euro an, ein Plus von bis zu 25 Prozent. Allerdings warnte Vorstandschef Klein, dass das starke erste Quartal von Einmaleffekten profitierte und das zweite Quartal schwächer ausfallen dürfte. Eine spürbare Beschleunigung des Cloud-Wachstums erwartet SAP erst ab 2027.

Genau diese zeitliche Lücke zwischen Vision und Produktionsalltag bereitet Investoren Sorgen. Je stärker SAP auf agentenbasierte Modelle setzt, desto mehr verschiebt sich die Abrechnung von planbaren Abonnements hin zu einer nutzungsabhängigen Struktur. Das birgt kurzfristig Risiken für die Umsatzstabilität. Die meisten der angekündigten KI-Assistenten befinden sich noch in frühen Testphasen; Kunden nutzen die neuen Werkzeuge bislang kaum.

Ein Stabilitätsanker bleibt die Dividende. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai beschlossen die Aktionäre eine Ausschüttung von 2,50 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 – eine Erhöhung um 6,4 Prozent. Seit 25 Jahren hat der Softwarekonzern seine jährliche Zahlung nicht gesenkt. In einem volatilen Börsenumfeld liefert diese Verlässlichkeit einen harten Kontrast zur unsicheren KI-Wette.

Der langfristige 200-Tage-Durchschnitt von 188,87 Euro liegt weit über dem aktuellen Kursniveau. Um dorthin zurückzukehren, müsste SAP nicht nur die technischen Kinderkrankheiten seiner KI-Plattform überwinden, sondern auch das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Das Zeitfenster dafür schließt sich schnell. Die Taktik, Kunden per Cloud-Zwang zur Migration zu drängen, könnte ebenso gut nach hinten losgehen und sie in die Arme der Konkurrenz treiben. SAP setzt alles auf eine Karte – die Frage ist, ob die Anleger die Geduld aufbringen, bis die Industriekunden ihre kritischsten Prozesse an das Joule-System delegieren.

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